Warum möchten Sie diese Stelle? So antwortest du, mit Beispielen

Nimm zwei konkrete Aufgaben aus der Stellenanzeige und sag zu jeder, warum sie dich reizt und was du dafür schon gemacht hast. Ende mit einem Satz, was du in der Stelle erreichen möchtest. Über die Firma als Ganzes sprichst du bei dieser Frage nur am Rand.

Stelle, nicht Firma

Die Frage klingt fast gleich wie „Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“, zielt aber woanders hin. Bei der Firma geht es um Produkte, Werte und Standort. Hier geht es um die Tätigkeit: Was reizt dich an dem, was du jeden Tag tun würdest?

Im Gespräch klingt das so: „Was hat Sie an der Ausschreibung angesprochen?“, „Warum bewerben Sie sich auf diese Position?“ oder bei Quereinsteigern etwas spitzer: „Warum wollen Sie jetzt ausgerechnet in den Vertrieb?“

Das Gegenüber prüft, ob du verstanden hast, was die Stelle ist, und ob die Motivation lange genug hält. Wer nur sagt „Die Stelle passt perfekt zu meinem Profil“, hat beides nicht gezeigt.

Der Aufbau: zwei Aufgaben, ein Ziel

  1. Aufgabe eins aus der Anzeige. Zitier sie fast wörtlich: „Sie schreiben, dass die Stelle die Planung der Kampagnen für drei Märkte umfasst.“
  2. Warum sie dich reizt, mit Beleg. Was du dazu schon gemacht hast und was dir daran gefallen hat.
  3. Aufgabe zwei, kürzer. Gleiches Muster, ein bis zwei Sätze.
  4. Ein Ziel. Was du in dieser Stelle lernen oder bewirken willst.

Das dauert 60 bis 75 Sekunden. Die Aufgaben suchst du dir so aus, dass sie im Kern der Stelle liegen, nicht in der Fußnote. „Gelegentliche Reisetätigkeit“ ist kein guter Grund, sich zu bewerben.

Beispielantworten

Die Beispiele sind ausgedacht. Ersetze Aufgaben und Belege durch deine eigenen.

Werkstudentin im Online-Marketing

„In der Anzeige steht, dass Sie jemanden suchen, der die Newsletter-Kampagnen selbstständig aufsetzt und auswertet. Genau das habe ich im letzten Semester für den Verein gemacht, in dem ich Handball spiele: Ich habe den Newsletter neu aufgebaut, und die Öffnungsrate ist sichtbar gestiegen. Mich reizt, das jetzt mit echtem Budget und A/B-Tests zu machen. Außerdem würde ich gern lernen, wie man so etwas für mehrere Zielgruppen gleichzeitig plant.“

Quereinsteiger, Lehrer wird Trainer in der Personalentwicklung

„Ich unterrichte seit sieben Jahren Deutsch und Geschichte an einer Gesamtschule in Dortmund. Am meisten Freude macht mir dabei nicht der Stoff, sondern der Moment, in dem eine Gruppe etwas wirklich verstanden hat. Ihre Stelle besteht zu großen Teilen aus Präsenztrainings für Führungskräfte, und Gruppen anzuleiten ist mein Alltag. Der zweite Teil, die Konzeption neuer Formate, ist für mich die größere Herausforderung, und genau deshalb bewerbe ich mich.“

Erfahrene Buchhalterin, Wechsel in eine Leitungsrolle

„Sie suchen eine Teamleitung für die Finanzbuchhaltung mit vier Mitarbeitenden, die den Jahresabschluss verantwortet. Den Abschluss mache ich seit acht Jahren, die letzten drei federführend. Neu wäre für mich die disziplinarische Führung, ich habe bisher zwei Azubis betreut und gemerkt, dass mir das liegt. In der Stelle möchte ich den Abschluss so organisieren, dass er nicht mehr an einer Person hängt.“

Wie du die richtigen Aufgaben findest

Druck die Anzeige aus und markiere jede Aufgabe in einer von drei Farben:

MarkierungBedeutungFür die Antwort
GrünKann ich und mache ich gernErste Wahl
GelbHabe ich wenig gemacht, reizt mich aberGut als Lernziel am Ende
RotMache ich ungernNicht erwähnen, aber ehrlich prüfen, ob die Stelle dann passt

Wenn auf dem Zettel kaum Grün steht, ist das eine Information für dich. Wenn fast alles Rot ist, wird auch die beste Antwort nichts daran ändern, dass du in der Stelle unzufrieden wärst.

Antworten, die nicht funktionieren

  • „Die Stelle passt perfekt zu meinem Profil.“ Ohne Beleg ist der Satz leer, und alle anderen Bewerber sagen ihn auch.
  • „Ich möchte mich weiterentwickeln.“ Wohin? Ohne Richtung klingt das wie „irgendwas anderes“.
  • Nur Rahmenbedingungen. Homeoffice, Gleitzeit, kurze Wege. Darf ein Nebensatz sein, nie der Hauptgrund.
  • Nur Firmenlob. „Sie sind Marktführer“ beantwortet die andere Frage. Was du über die Firma weißt, gehört zu Warum bei uns?.
  • Die Stelle als Sprungbrett. „Ich sehe das als guten Einstieg, um später ins Management zu kommen.“ Das Unternehmen sucht jemanden für diese Stelle, nicht für die übernächste.

Kurz üben

  1. Markiere die Anzeige wie oben beschrieben.
  2. Schreib zu zwei grünen Aufgaben je einen Beleg auf, mit Ort und Ergebnis.
  3. Sprich die Antwort dreimal laut, jedes Mal mit etwas anderen Worten. So klingt sie im Gespräch nicht auswendig gelernt.
  4. Prüf, ob du über 75 Sekunden kommst. Wenn ja, kürze den Beleg zur zweiten Aufgabe. Den Antwort-Check kannst du dafür im Browser nutzen.

Wer üben möchte, wie es klingt, wenn das Gegenüber nachfragt („Und warum nicht im Marketing bei einer Agentur?“), kann die Situation in der Speaking-Coach-App mit der Stellenanzeige als Grundlage durchspielen.

Häufige Fragen

Ist das nicht dieselbe Frage wie „Warum bei uns“?

Nein. Hier geht es um die Tätigkeit, dort um das Unternehmen. Wenn beide Fragen kommen, nimm für jede andere Gründe, sonst wiederholst du dich.

Was, wenn ich mich auf viele ähnliche Stellen bewerbe?

Der Aufbau bleibt gleich, die Aufgaben wechseln. Nimm für jede Anzeige die zwei Aufgaben, die dort am deutlichsten beschrieben sind.

Darf ich sagen, dass ich mich beruflich neu orientiere?

Ja, wenn du dazu sagst, was dich an genau dieser neuen Tätigkeit reizt und was du schon dafür getan hast, etwa eine Weiterbildung oder ein Praktikum.

Wie lang sollte die Antwort sein?

60 bis 75 Sekunden. Bei Ausbildungsplätzen und Werkstudierendenstellen reichen 45 Sekunden.

Was sage ich, wenn ich die Stelle vor allem wegen des Gehalts will?

Dann such trotzdem zwei Aufgaben, die dich interessieren, und nenn sie. Gehalt ist ein legitimer Grund, gehört aber zur Frage nach deinen Gehaltsvorstellungen.