Eltern des Partners kennenlernen: worüber reden, was vermeiden
Frag die Eltern nach dem, was ihnen am Herzen liegt: ihr Zuhause, ihr Garten, ihre Reisen und wie dein Partner als Kind war. Bleib beim Sie, bis dir das Du angeboten wird, bring eine Kleinigkeit mit und biete an, beim Abräumen zu helfen. Politik, Geld und Fragen nach Hochzeit oder Enkeln umschiffst du freundlich mit einem Lächeln und einer Gegenfrage.
Vorher mit deinem Partner sprechen
Die beste Vorbereitung ist ein Gespräch zu zweit, ein, zwei Tage vorher. Diese Fragen ersparen dir die meisten Stolperfallen:
- Du oder Sie? Duzen sich in der Familie alle, oder sind die Eltern eher förmlich?
- Was mögen sie? Hobbys, Garten, Fußballverein, die letzte Reise, das Lieblingsthema des Vaters.
- Was ist tabu? Ein Streit mit der Schwester, die Scheidung, ein politisches Reizthema.
- Was wissen sie schon über mich? Damit du nicht dreimal erzählst, was sie längst gehört haben.
- Was bringe ich mit? Blumen, Pralinen, eine Flasche Wein, oder trinkt in der Familie niemand Alkohol?
- Schuhe aus? In vielen deutschen Haushalten zieht man sie an der Tür aus, in anderen gilt das als seltsam.
Und eine Frage an dich selbst: Wie stellst du dich vor? Name und ein Satz zu dir reichen. „Ich bin Jonas, ich arbeite als Physiotherapeut in Leipzig, und Miriam und ich haben uns beim Bouldern kennengelernt.“
Du oder Sie
Bei der ersten Begegnung bist du mit „Sie“ und „Frau Becker“ oder „Herr Becker“ auf der sicheren Seite. Das Du bieten in Deutschland üblicherweise die Älteren an. Wenn es kommt („Ach, sag doch Gabi“), nimm es einfach an: „Gern, ich bin Jonas.“ Wenn nicht, bleib beim Sie, auch wenn dein Partner seine Eltern natürlich duzt. Fragen darfst du auch: „Wie darf ich Sie ansprechen?“ wirkt aufmerksam, nicht steif.
Gute Themen für das erste Treffen
| Thema | Frage | Warum es funktioniert |
|---|---|---|
| Das Zuhause | „Wohnen Sie schon lange hier? Der Garten ist ja wunderschön.“ | Ein ehrliches Kompliment mit Frage dran |
| Ihr Hobby | „Miriam hat erzählt, Sie singen im Chor. Was singen Sie gerade?“ | Zeigt, dass ihr über sie gesprochen habt |
| Dein Partner als Kind | „Wie war Miriam eigentlich als Kind?“ | Eltern erzählen das fast immer gern |
| Ihre Heimat | „Sie kommen ursprünglich aus dem Allgäu, oder? Was vermissen Sie?“ | Persönlich, ohne zu nah zu sein |
| Reisen | „Wo waren Sie zuletzt im Urlaub?“ | Leichte Geschichten, viele Anschlussfragen |
| Das Essen | „Der Kuchen ist großartig. Ist das ein Familienrezept?“ | Fast nie falsch |
Wenn du selbst gefragt wirst, antworte nicht nur mit einem Satz. Gib ein kleines Detail und eine Gegenfrage: „Ich bin Physiotherapeut, hauptsächlich mit Sportverletzungen. Sie haben doch auch mal Handball gespielt, hat Miriam erzählt?“
Heikle Fragen, freundlich umschifft
Manche Fragen kommen fast sicher. Du musst sie nicht ausführlich beantworten.
| Frage | Mögliche Antwort |
|---|---|
| „Und, wann wird geheiratet?“ | „Da lassen wir uns noch Zeit. Wie war das eigentlich bei Ihnen beiden?“ |
| „Und was verdient man so als Physiotherapeut?“ | „Man wird nicht reich, aber es reicht gut. Vor allem macht's mir Spaß.“ |
| „Was halten Sie von der Regierung?“ | „Puh, da könnte man den ganzen Nachmittag diskutieren. Ich lass das heute lieber mal.“ |
| „Wollt ihr Kinder?“ | „Das besprechen wir zuerst miteinander. Aber Miriam war ja wohl als Kind ziemlich wild?“ |
| „Woher kommt Ihre Familie eigentlich?“ | Kurz und offen antworten, dann zurückfragen: „Und Ihre?“ |
Die Gegenfrage am Ende lenkt das Gespräch weg, ohne dass es wie Ausweichen wirkt.
Ein Beispiel vom Sonntagskaffee
Ein ausgedachtes Gespräch. Jonas trifft Miriams Eltern zum ersten Mal, es gibt Kaffee und Pflaumenkuchen.
Frau Becker: „Nehmen Sie sich ruhig noch ein Stück.“
Jonas: „Gern, der ist wirklich gut. Ist das Ihr Rezept?“
Frau Becker: „Von meiner Mutter. Die Pflaumen sind aus dem Garten.“
Jonas: „Aus dem eigenen Garten? Wie viele Bäume haben Sie denn?“
Herr Becker: „Drei. Und dieses Jahr so viele Pflaumen, wir wissen nicht wohin damit.“
Jonas: „Meine Oma hat früher immer Pflaumenmus eingekocht, bis der ganze Keller voll war. Machen Sie das auch?“
Herr Becker: „Mus nicht, aber Marmelade. Sie können nachher gern ein Glas mitnehmen.“
Jonas fragt nach, greift Details auf und erzählt eine kleine eigene Geschichte. Mehr braucht ein erstes Treffen nicht. Das Prinzip dahinter erklärt die Seite Gespräch am Laufen halten.
Kleine Gesten, die viel sagen
- Mitbringsel. Blumen für die Gastgeberin, Pralinen oder eine Flasche Wein sind üblich. Frag deinen Partner, was passt.
- Handy weg. Auch zwischendurch nicht aufs Display schauen.
- Hilfe anbieten. „Kann ich beim Abräumen helfen?“ Auch wenn die Antwort Nein ist, merkt man es sich.
- Zum Abschied danken. „Vielen Dank für die Einladung, das war ein richtig schöner Nachmittag.“ Ein Gruß ein paar Tage später über deinen Partner rundet es ab.
Wenn die Familie anders ist als deine
Vielleicht wird bei deinem Partner laut durcheinandergeredet, vielleicht still gegessen. Vielleicht ist die Familie religiös, und du bist es nicht, oder umgekehrt. Beobachte und mach mit, so gut es geht: beim Tischgebet still sein, beim Anstoßen in die Augen schauen, wenn alle es tun. Wenn sie eine andere Sprache sprechen, ist ein Satz in ihrer Sprache viel wert, auch mit Fehlern.
Vorher einmal laut durchspielen
Die erste Vorstellung und die Antwort auf „Und was machen Sie beruflich?“ sitzen besser, wenn du sie einmal laut gesagt hast. In der Speaking-Coach-App beschreibst du die Situation, und ein KI-Gesprächspartner spielt den Vater oder die Mutter auf Deutsch, stellt Nachfragen zu dem, was du sagst, und gibt dir danach Tipps, die deine eigenen Sätze zitieren.
Häufige Fragen
Worüber redet man beim ersten Treffen mit den Eltern?
Über ihr Zuhause, ihre Hobbys, ihre Reisen und darüber, wie dein Partner als Kind war. Frag offen nach und erzähl auch etwas von dir.
Soll ich die Eltern meines Partners duzen oder siezen?
Beim ersten Treffen siezen, bis sie dir das Du anbieten. In sehr lockeren Familien sagt dein Partner dir vorher, ob alle sich duzen.
Was bringe ich als Gastgeschenk mit?
Blumen, Pralinen oder eine Flasche Wein sind üblich. Frag deinen Partner, ob jemand keinen Alkohol trinkt oder ob es etwas gibt, das die Eltern besonders mögen.
Was mache ich, wenn ich nervös bin und mir nichts einfällt?
Lob das Essen oder die Wohnung und häng eine Frage dran. Und bitte deinen Partner vorher, dir ein Stichwort zuzuwerfen, wenn es stockt.
Wie lange sollte der erste Besuch dauern?
Für ein Kaffeetrinken sind zwei, drei Stunden ein guter Rahmen. Lieber gehen, solange es schön ist.