Haben Sie noch Fragen an uns? Gute Rückfragen für das Gesprächsende
Ja, immer, und zwar zwei oder drei echte Fragen zur Stelle, zum Team und zur Einarbeitung, idealerweise mit Bezug auf etwas, das im Gespräch gesagt wurde. Fragen, die die Website beantwortet, und Fragen nur nach Urlaub oder Homeoffice lässt du in der ersten Runde weg.
Warum diese Frage kein Abschluss ist
„So, jetzt haben wir Sie ausgefragt. Haben Sie noch Fragen an uns?“ Mit diesem Satz endet fast jedes Vorstellungsgespräch in Deutschland. Viele hören darin das Signal, dass es vorbei ist, und sagen: „Nein, eigentlich wurde alles beantwortet.“ Das ist die schwächste Antwort, die es gibt.
Das Gegenüber achtet hier auf zwei Dinge: Hast du dich ernsthaft mit der Stelle beschäftigt, und denkst du schon wie jemand, der dort arbeitet? Außerdem ist es deine einzige Gelegenheit, herauszufinden, ob du die Stelle überhaupt willst. Die Teamleiterin, die bei der Frage nach Überstunden ausweicht, sagt dir mehr als jede Stellenanzeige.
Gute Fragen nach Thema
Such dir zwei oder drei aus, die dich wirklich interessieren. Mehr als vier wird schnell zum Gegenverhör.
| Thema | Beispielfrage | Was du daraus erfährst |
|---|---|---|
| Aufgaben | „Wie sieht eine typische Woche in dieser Rolle aus?“ | Ob die Anzeige zur Wirklichkeit passt |
| Erwartungen | „Woran würden Sie nach sechs Monaten merken, dass die Besetzung gut war?“ | Was wirklich zählt, und wie die Probezeit bewertet wird |
| Einarbeitung | „Wie ist die Einarbeitung geplant? Gibt es eine Patin oder einen Paten?“ | Ob es einen Plan gibt oder ob du ins kalte Wasser springst |
| Team | „Wie ist das Team zusammengesetzt, und mit wem arbeite ich am engsten?“ | Größe, Erfahrung, Schnittstellen |
| Hintergrund der Stelle | „Ist die Stelle neu geschaffen oder eine Nachbesetzung?“ | Wachstum oder Fluktuation |
| Herausforderungen | „Was ist im Moment die größte Baustelle in der Abteilung?“ | Woran du wirklich arbeiten würdest |
| Entwicklung | „Wie haben sich Leute entwickelt, die vorher auf dieser Stelle waren?“ | Ob es Wege nach oben oder zur Seite gibt |
| Nächste Schritte | „Wie geht es im Prozess weiter, und bis wann darf ich mit einer Rückmeldung rechnen?“ | Planbarkeit für dich |
Die letzte Frage kannst du immer stellen, auch wenn alles andere schon besprochen wurde.
Die beste Frage knüpft ans Gespräch an
Vorbereitete Fragen sind gut, Fragen mit Bezug auf das Gespräch sind besser. Hör im Gespräch auf Halbsätze, die neugierig machen, und notier sie dir kurz.
„Sie haben vorhin erwähnt, dass die Abteilung nächstes Jahr auf SAP S/4HANA umstellt. Wie stark wäre ich in dieses Projekt eingebunden?“
„Sie sagten, dass das Team zuletzt stark gewachsen ist. Wie halten Sie die Abstimmung zwischen den beiden Standorten in Köln und Leipzig?“
Solche Fragen zeigen, dass du zugehört hast, und sie lassen sich nicht auswendig lernen. Es ist völlig in Ordnung, einen Notizblock mitzubringen und kurz draufzuschauen.
Fragen nach Erfahrungsstufe
Für Azubis und Werkstudierende
„Wie viel Zeit hat mein Ausbilder neben seiner eigentlichen Arbeit für die Ausbildung?“
„Werden Azubis nach der Ausbildung in der Regel übernommen?“
Für Fachkräfte mit Berufserfahrung
„Welche Entscheidungen darf ich in dieser Rolle selbst treffen, und wo stimme ich mich ab?“
„Mit welchen Abteilungen gibt es die meisten Reibungspunkte?“
Für Führungskräfte
„Wie würde das Team seine bisherige Führung beschreiben, und was soll sich ändern?“
„Welche Ziele für die Abteilung sind für das nächste Jahr schon festgelegt?“
Fragen, die du lieber weglässt
| Frage | Warum sie schadet | Besser |
|---|---|---|
| „Was macht Ihre Firma eigentlich genau?“ | Zeigt, dass du nicht recherchiert hast | Vorher die Firma recherchieren |
| „Wie viele Urlaubstage habe ich?“ als erste Frage | Klingt, als ginge es dir vor allem um die freie Zeit | Später, oder wenn ein Angebot vorliegt |
| „Wie schnell kann ich befördert werden?“ | Klingt nach Absprung aus der Stelle, um die es geht | Nach Entwicklungswegen fragen |
| „Habe ich die Stelle?“ | Setzt das Gegenüber unter Druck | Nach den nächsten Schritten fragen |
| Gar keine Frage | Wirkt desinteressiert | Mindestens nach dem weiteren Ablauf fragen |
Homeoffice, Arbeitszeiten und Gehalt sind keine verbotenen Themen. Wenn sie nicht angesprochen wurden, darfst du in der zweiten Runde danach fragen, sachlich formuliert: „Wie ist bei Ihnen mobiles Arbeiten geregelt?“ Zum Gehalt selbst steht mehr bei den Gehaltsvorstellungen.
Was, wenn wirklich alles geklärt ist?
Dann sag das ehrlich und konkret, nicht mit „Nein, passt schon“:
„Sie haben meine wichtigsten Fragen zur Einarbeitung und zum Team schon beantwortet, danke dafür. Eine Sache noch: Wie geht es im Bewerbungsprozess weiter?“
Danach ist ein Satz zur Motivation ein guter Abschluss: „Nach dem Gespräch bin ich mir noch sicherer, dass mich die Stelle reizt.“ Laut geübt klingt das deutlich weniger steif als beim ersten Mal. In der Speaking-Coach-App kannst du ein ganzes Vorstellungsgespräch bis zu diesem Ende durchspielen.
Häufige Fragen
Wie viele Fragen sollte ich stellen?
Zwei bis drei. Bereite fünf vor, denn einige werden im Gespräch schon beantwortet.
Darf ich meine Fragen ablesen?
Ja. Ein Blick auf den Notizblock wirkt vorbereitet, nicht unsicher. Lies sie nur nicht Wort für Wort vor.
Darf ich nach dem Gehalt fragen?
In der ersten Runde nur, wenn das Gegenüber das Thema nicht ohnehin anspricht und es für deine Entscheidung wichtig ist. Meist kommt die Frage nach deinen Vorstellungen von selbst.
Sind Fragen zur Fluktuation unhöflich?
Nicht, wenn sie neutral gestellt sind. „Ist die Stelle neu oder eine Nachbesetzung?“ ist eine übliche Frage und sagt dir viel.
Was frage ich im Gespräch mit der Geschäftsführung?
Fragen zur Richtung des Unternehmens: wo es in drei Jahren stehen soll und welche Rolle deine Abteilung dabei spielt. Details zur Einarbeitung klärst du besser mit der Fachabteilung.