Was wissen Sie über unser Unternehmen? Recherche und Antwort
Nenn drei Dinge: was die Firma macht und für wen, etwas Aktuelles (ein neues Produkt, ein Standort, eine Übernahme) und was davon deine künftige Abteilung betrifft. Sag zu einem der drei Punkte, warum er dich interessiert, und hör nach etwa einer Minute auf; ein Referat über die Firmengeschichte will niemand hören.
Was die Frage prüft
„Was wissen Sie über unser Unternehmen?“ oder „Was haben Sie über uns herausgefunden?“ kommt meist früh, oft direkt nach der Begrüßung. Manche Interviewer stellen sie fast beiläufig: „Sie haben sich bestimmt schon ein bisschen eingelesen?“
Geprüft wird, ob du dich vorbereitet hast und ob du dich für diese Firma interessierst oder nur für irgendeinen Job. Der zweite Teil ist wichtiger. Wer die Gründungsjahre aufsagt, hat gelesen. Wer sagt, was davon für die eigene Arbeit zählt, hat nachgedacht.
Diese Seite ist der Recherche-Teil. Wie du daraus deine Motivation machst, steht unter Warum möchten Sie bei uns arbeiten?.
Recherche in 30 Minuten
| Quelle | Was du dort findest | Zeit |
|---|---|---|
| Website: „Über uns“, Produkte, Referenzen | Was sie machen, für wen, wo | 10 Minuten |
| Pressebereich oder News auf der Website | Neue Produkte, Standorte, Auszeichnungen, Kooperationen | 5 Minuten |
| Karriereseite und andere Stellenanzeigen | Wo die Firma gerade wächst, welche Teams es gibt | 5 Minuten |
| Regionale Zeitung, Branchenportale | Neubauten, Übernahmen, Probleme | 5 Minuten |
| LinkedIn oder Xing der Firma und deiner Gesprächspartner | Was gerade geteilt wird, wer dir gegenübersitzt | 5 Minuten |
Bei börsennotierten Firmen lohnt ein Blick in den letzten Geschäftsbericht, zumindest in das Vorwort. Bei kleinen Mittelständlern findest du oft mehr in der Lokalzeitung als auf der Website, etwa zum Neubau einer Halle oder zum Generationswechsel in der Geschäftsführung.
Bewertungsportale zeigen dir, wie Mitarbeitende die Firma erleben. Nutz das für deine eigene Entscheidung und für Rückfragen, aber zitier keine Bewertungen im Gespräch.
Was du dir notierst
Am Ende der Recherche sollten auf einem Zettel stehen:
- Ein Satz, was die Firma macht. In deinen eigenen Worten, so dass ein Freund es versteht. „Sie bauen Mähwerke und Pressen für die Landwirtschaft und verkaufen den Großteil ins Ausland.“
- Eine aktuelle Nachricht. Was sich gerade ändert.
- Ein Bezug zur Stelle. Was davon deine künftige Abteilung betrifft.
- Eine offene Frage. Etwas, das du nicht herausgefunden hast und am Ende fragen kannst.
Der Aufbau der Antwort
- Was sie machen, in einem Satz.
- Das Aktuelle, in einem Satz.
- Die Verbindung zu dir. Warum dich genau das interessiert.
Das dauert 45 bis 60 Sekunden. Mehr wirkt schnell wie auswendig gelernt.
Beispielantworten
Ausgedachte Firmen und Details, nur für den Aufbau.
Bewerberin bei einem Landtechnik-Hersteller im Emsland
„Sie stellen Mähwerke und Ballenpressen her, und soweit ich gelesen habe, geht der größte Teil davon in den Export, vor allem nach Osteuropa. In der Lokalzeitung stand im Frühjahr, dass Sie ein neues Ersatzteillager bauen. Das hat mich besonders interessiert, weil die Stelle im Kundendienst ja genau an der Schnittstelle zu den Händlern liegt, und ich mir vorstellen kann, dass sich durch das Lager einiges an den Abläufen ändert.“
Bewerber bei einem Software-Start-up in Hamburg
„Sie entwickeln eine Software, mit der Handwerksbetriebe Angebote und Rechnungen vom Handy aus schreiben. Im Sommer haben Sie eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und schreiben seitdem viele Stellen im Vertrieb aus, also gehe ich davon aus, dass Sie gerade stark wachsen wollen. Mich interessiert, wie Sie Betriebe überzeugen, die bisher alles auf Papier machen, weil ich das aus dem Betrieb meines Vaters gut kenne.“
Bewerberin bei einer Stadtverwaltung
„Die Stadt hat im letzten Jahr beschlossen, viele Bürgerdienste online anzubieten, und in der Ausschreibung steht, dass das Bürgeramt dabei Pilot ist. Ich habe mir das Onlineportal angeschaut und einen Termin für die Ummeldung ausprobiert. Mich interessiert, wie das Team die Bürgerinnen und Bürger mitnimmt, die lieber persönlich vorbeikommen.“
Das letzte Beispiel zeigt einen Kniff, der fast immer funktioniert: das Produkt oder den Service selbst ausprobieren. Wer die App installiert, im Laden war oder den Kundenservice angerufen hat, hat etwas zu erzählen, das sonst niemand hat.
Was nicht funktioniert
- Die Website nacherzählen. „Sie wurden 1952 gegründet, haben 1.200 Mitarbeitende an sieben Standorten …“ Das Gegenüber kennt die Zahlen.
- Nur Lob. „Sie sind ein sehr innovatives Unternehmen mit tollen Werten.“ Ohne Beispiel ist das leer.
- Vermutungen als Fakten. Wenn du dir unsicher bist, sag „soweit ich gelesen habe“.
- Kritik ohne Anlass. Negative Schlagzeilen sprichst du nur an, wenn das Gegenüber es tut, und dann sachlich.
- Gar nichts wissen. „Ich hatte leider keine Zeit, mich einzulesen“ beendet das Gespräch oft innerlich.
Laut üben
Recherche, die nur auf dem Zettel steht, klingt im Gespräch oft hölzern. Sag deine drei Sätze laut, ohne den Zettel, und prüf, ob sie wie deine eigenen Worte klingen. Mit dem Antwort-Check siehst du Tempo und Füllwörter. In der Speaking-Coach-App kannst du die Stellenanzeige hinzufügen und das Gespräch mit einem Interviewer durchspielen, der auf deine Antwort eingeht.
Häufige Fragen
Wie viel muss ich über die Firma wissen?
Genug für drei Sätze und eine Rückfrage. Niemand erwartet, dass du die Bilanz kennst.
Was, wenn ich über eine kleine Firma kaum etwas finde?
Sag ehrlich, was du gefunden hast, und frag gezielt nach: „Auf Ihrer Website habe ich vor allem die Referenzen gefunden. Wie verteilt sich Ihr Geschäft heute auf Privat- und Firmenkunden?“
Darf ich Zahlen nennen?
Ja, wenn sie stimmen und etwas aussagen, etwa der Exportanteil. Eine Zahl reicht, eine Liste von Zahlen wirkt auswendig gelernt.
Soll ich Wettbewerber erwähnen?
Nur, wenn du die Branche wirklich kennst und es etwas zeigt. Sonst lass es lieber.
Was frage ich am Ende des Gesprächs?
Die offene Frage aus deiner Recherche. Ideen findest du unter Haben Sie noch Fragen an uns?.