Erzählen Sie von einem Konflikt im Job: So antwortest du, mit Beispielen

Erzähl einen sachlichen Konflikt, zum Beispiel über Prioritäten, Abläufe oder Qualität, beschreib die andere Seite fair und konzentrier dich darauf, wie du das Gespräch gesucht und eine Lösung gefunden hast. Am Ende steht, was sich danach verbessert hat, auch in der Zusammenarbeit.

Warum nach Konflikten gefragt wird

„Erzählen Sie von einem Konflikt mit einem Kollegen“, „Wie gehen Sie mit Meinungsverschiedenheiten um?“ oder „Gab es schon mal jemanden, mit dem Sie gar nicht klargekommen sind?“ Wer im Team arbeitet, hat Konflikte. Das Gegenüber will wissen, wie du sie austrägst.

Geprüft werden vor allem drei Dinge: Sprichst du Probleme an, oder schluckst du sie, bis es knallt? Kannst du die Sicht der anderen Seite beschreiben, ohne sie lächerlich zu machen? Und kannst du nach einem Streit weiter gut zusammenarbeiten?

Den richtigen Konflikt wählen

Gut geeignetLieber nicht
Unterschiedliche Prioritäten zweier AbteilungenPersönliche Abneigung („Wir konnten uns einfach nicht leiden“)
Streit über Qualität oder TermineKonflikte mit Bezug zu Gesundheit, Familie oder Religion
Eine Kollegin, die Absprachen nicht eingehalten hatEin Konflikt, der vor dem Arbeitsgericht endete
Meinungsverschiedenheit mit der Chefin über einen AblaufEin Konflikt, den du nie gelöst hast
Ein Kunde oder Lieferant mit anderen ErwartungenEin Konflikt, in dem du ausschließlich Opfer warst

Am besten eignet sich ein Konflikt, in dem beide Seiten einen nachvollziehbaren Grund hatten. Dann kannst du zeigen, dass du die andere Sicht verstanden hast.

Der Aufbau

  1. Die Lage in einem Satz. Wer, worum ging es, warum war es wichtig.
  2. Die Sicht der anderen Seite. Ein fairer Satz: „Aus seiner Sicht war das verständlich, weil …“
  3. Was du getan hast. Das Gespräch gesucht, Fakten gesammelt, einen Vorschlag gemacht. Hier liegt der Schwerpunkt.
  4. Das Ergebnis. Sachlich und für die Beziehung: „Seitdem stimmen wir uns jeden Montag kurz ab.“

Zusammen etwa 90 Sekunden. Der zweite Schritt ist der, den die meisten weglassen, und gerade der macht die Antwort glaubwürdig.

Beispielantworten

Ausgedachte Beispiele mit erfundenen Details.

Bauleiter

„Auf einer Baustelle in Mainz hatte ich Streit mit dem Polier des Rohbauers. Er wollte die Decke im dritten Stock gießen, obwohl die Leerrohre der Elektrik noch nicht komplett lagen. Aus seiner Sicht war das verständlich: Er hatte den Betonmischer bestellt und Leute eingeplant. Ich habe ihn nicht vor seiner Kolonne zur Rede gestellt, sondern ihn in den Container geholt und gezeigt, was ein Nachrüsten im Beton kosten würde. Dann haben wir den Elektriker angerufen, der zwei Leute zusätzlich geschickt hat, und der Guss war am Nachmittag statt am Morgen. Seitdem machen wir vor jedem Betonieren eine kurze gemeinsame Abnahme mit allen Gewerken.“

Sachbearbeiterin im Einkauf

„Ein Kollege aus der Produktion hat regelmäßig Material direkt beim Lieferanten bestellt, ohne über uns zu gehen. Das hat unsere Rahmenverträge unterlaufen. Ich habe zuerst nachgefragt, warum er das macht, und erfahren, dass unsere Freigaben ihm zu lange dauerten, manchmal drei Tage. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass Eilbestellungen bis 500 Euro telefonisch freigegeben werden. Seitdem sind die Direktbestellungen praktisch verschwunden, und er ruft mich an, wenn es brennt.“

Junior-Marketing-Managerin

„Meine Teamleiterin und ich waren uneinig, ob wir eine Kampagne auf Instagram oder per Newsletter spielen sollten. Ich war für den Newsletter, weil unsere Zahlen dort besser waren, sie hatte die Reichweite auf Instagram im Blick. Statt weiter zu diskutieren, habe ich vorgeschlagen, beides zwei Wochen mit kleinem Budget zu testen. Der Newsletter hat besser funktioniert, aber Instagram hat uns neue Kontakte gebracht, und wir haben die Kampagne am Ende auf beiden Kanälen gespielt. Ich habe dabei gelernt, dass ein Test oft schneller ist als ein Streit.“

Was die Antwort schwächt

  • „Ich habe eigentlich keine Konflikte.“ Klingt entweder nach Konfliktscheu oder nach Unehrlichkeit.
  • Schlecht über die andere Person reden. „Der war einfach inkompetent.“ Das Gegenüber fragt sich, wie du später über die neuen Kollegen sprichst.
  • Sofort zur Chefin gehen. Wenn deine Lösung war, den Konflikt nach oben zu geben, ohne vorher selbst zu reden, ist das kein gutes Beispiel.
  • Kein Ende. Ein Konflikt, der „irgendwie im Sand verlaufen“ ist, zeigt keine Lösung.
  • Zu viele Details. Wer was in welcher Mail geschrieben hat, interessiert nicht. Was du getan hast, schon.

Den Ton treffen

Konfliktgeschichten erzählt man leicht mit einem Unterton, als ob man den Streit noch einmal führt. Das Gegenüber hört diesen Ton, auch wenn die Worte fair sind. Sprich die Sicht der anderen Seite in demselben ruhigen Ton wie deine eigene. Hilfreich ist, die Antwort einmal aufzunehmen und anzuhören: Klingst du noch verärgert?

Noch besser als die Erzählung zu üben ist es, das Konfliktgespräch selbst zu üben. In der Speaking-Coach-App gibt es Szenen, in denen du in einem Meeting widersprichst oder harte Rückmeldung gibst. Wer ein solches Gespräch einmal laut geführt hat, erzählt im Vorstellungsgespräch glaubwürdiger davon.

Häufige Fragen

Darf ich einen Konflikt mit meiner Chefin erzählen?

Ja, wenn er sachlich war und gut ausgegangen ist. Zeig, dass du respektvoll widersprochen und die Entscheidung am Ende mitgetragen hast.

Was, wenn ich Konflikten eher aus dem Weg gehe?

Sag es ehrlich und zeig, was du daran änderst. Ein Beispiel, in dem du dich überwunden und etwas angesprochen hast, ist gerade dann stark. Wie du auf Kritik reagierst, steht unter Wie gehen Sie mit Kritik um?.

Muss der Konflikt komplett gelöst sein?

Nein, aber es sollte ein Ergebnis geben, das du beeinflusst hast: eine Regel, eine Absprache, eine bessere Zusammenarbeit.

Wie lang sollte die Antwort sein?

Etwa 90 Sekunden. Der Teil, in dem du handelst, ist der längste.

Was ist, wenn ich als Führungskraft gefragt werde?

Dann erwartet das Gegenüber oft einen Konflikt zwischen zwei Mitarbeitenden, den du moderiert hast. Bereite beides vor: einen eigenen Konflikt und einen, den du als Führungskraft gelöst hast.