Erzählen Sie etwas über sich: So antwortest du, mit Beispielen

Antworte in 60 bis 90 Sekunden in drei Schritten: was du heute machst, welche Station dich dorthin gebracht hat und warum diese Stelle der logische nächste Schritt ist. Lass Geburtsort, Schulzeit und Privates weg, außer es passt direkt zur Stelle, und hör mit einem Satz auf, der zur ausgeschriebenen Position führt.

Was hinter der Frage steckt

Die Frage kommt fast immer zuerst, oft nach dem Kaffee und dem Smalltalk über die Anfahrt. Manchmal heißt sie „Stellen Sie sich doch kurz vor“ oder „Erzählen Sie uns, was Sie hierher führt“. Gemeint ist immer dasselbe: Das Gegenüber will in gut einer Minute verstehen, wer da sitzt, und hören, ob du deinen eigenen Werdegang auf den Punkt bringen kannst.

Dein Lebenslauf liegt ausgedruckt auf dem Tisch. Niemand möchte ihn vorgelesen bekommen. Gesucht ist die Linie dahinter: Was verbindet deine Stationen, und warum landet diese Linie genau bei dieser Stelle?

Die Antwort setzt außerdem den Ton für das ganze Gespräch. Was du hier erwähnst, greifen die Interviewer gern auf. Erwähne also Dinge, über die du gern ausführlicher sprechen würdest.

Der Aufbau: Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

  1. Gegenwart (15–20 Sekunden). Was machst du gerade, in einem Satz, plus ein Ergebnis oder Schwerpunkt. „Ich bin seit drei Jahren Sachbearbeiterin in der Kreditorenbuchhaltung bei einem Zulieferer in Heilbronn und betreue rund 400 Lieferanten.“
  2. Vergangenheit (20–30 Sekunden). Die eine oder zwei Stationen, die erklären, wie du dorthin gekommen bist. Ausbildung, Studium oder ein Wechsel, aber nur das, was zur Stelle führt.
  3. Zukunft (15–20 Sekunden). Warum diese Stelle jetzt passt. „Jetzt möchte ich mehr Verantwortung im Abschluss übernehmen, und genau das beschreibt Ihre Ausschreibung.“

Zusammen sind das 60 bis 90 Sekunden. Wenn du wissen willst, wie viel Text das ist, rechne deinen Entwurf mit dem Redezeit-Rechner um. Fast alle Entwürfe sind beim ersten Mal zu lang.

Beispielantworten

Die folgenden Antworten sind ausgedachte Beispiele für den Aufbau. Nimm deine eigenen Fakten.

Absolventin nach dem Bachelor

„Ich habe im Sommer meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Darmstadt abgeschlossen. In meiner Bachelorarbeit habe ich für einen Logistikdienstleister ausgewertet, warum Retouren im Lager liegen bleiben, und daraus ein Dashboard gebaut, das dort heute noch läuft. Davor war ich zwei Jahre Werkstudentin im IT-Support einer Versicherung, da habe ich gelernt, Fachabteilungen geduldig zuzuhören. Bei Ihnen reizt mich, dass ich als Junior Consultant genau an dieser Schnittstelle zwischen Fachbereich und Daten arbeiten würde.“

Quereinsteiger aus dem Einzelhandel

„Ich arbeite seit sechs Jahren im Einzelhandel, zuletzt als stellvertretender Filialleiter eines Baumarkts in Bielefeld. Den Großteil meiner Zeit verbringe ich inzwischen mit Bestellungen, Lieferterminen und dem Personalplan für 25 Leute. Weil mir genau dieser Teil am meisten Spaß macht, habe ich berufsbegleitend die IHK-Weiterbildung zum Logistikmeister begonnen. Als Disponent bei Ihnen würde ich das, was ich bisher nebenbei mache, zum Hauptberuf machen.“

Erfahrene Projektleiterin

„Ich leite seit acht Jahren Kundenprojekte im Sondermaschinenbau, aktuell bei einem Mittelständler im Allgäu, mit Projektvolumen bis etwa zwei Millionen Euro. Angefangen habe ich als Konstrukteurin, deshalb kann ich mit den Technikern auf Augenhöhe sprechen, wenn es im Projekt hakt. Zuletzt habe ich ein Projekt in Mexiko übernommen, das drei Monate hinter dem Plan lag, und es mit vier Wochen Verzug abgeschlossen. Ihre Stelle reizt mich, weil Sie das Auslandsgeschäft ausbauen und ich genau in solchen Projekten am meisten bewirken kann.“

Was rein gehört und was nicht

Gehört reinLass es weg
Deine aktuelle Rolle und ein konkretes ErgebnisGeburtsjahr, Geburtsort, Grundschule
Ein, zwei Stationen, die zur Stelle führenJede einzelne Station seit dem Abitur
Was dich an dieser Stelle reiztFamilienstand, Kinder, Partner
Hobbys nur, wenn sie zur Stelle passen (Vereinskasse geführt, Jugendtrainer)„Ich lese gern und treffe mich mit Freunden“
Ein Satz, der zum nächsten Thema einlädtGründe für Wechsel, die negativ klingen

Typische Fehler

  • Der Start mit „Also, ich bin 1995 in Gera geboren …“. Das ist der häufigste Einstieg und der schwächste. Du verbrauchst die ersten 30 Sekunden, bevor es interessant wird.
  • Die Antwort endet nicht, sie versandet. Viele hören mit „… ja, genau, das war's eigentlich“ auf. Plane deinen letzten Satz bewusst, am besten den Satz zur Stelle.
  • Nur Eigenschaften, keine Fakten. „Ich bin teamfähig und belastbar“ sagt jeder. Eine Zahl oder ein Projekt bleibt hängen.
  • Auswendig gelernt. Wer den Text Wort für Wort aufsagt, klingt wie ein Ansager und gerät ins Stocken, sobald jemand dazwischenfragt.

So übst du sie

  1. Schreib drei Stichpunkte auf: Gegenwart, eine Station, Zukunft. Keine ganzen Sätze.
  2. Sprich die Antwort laut und stopp die Zeit. Über 90 Sekunden? Kürze bei der Vergangenheit, nie beim Schluss.
  3. Hör dir die Aufnahme an oder prüf sie mit dem Antwort-Check. Achte auf „also“, „halt“ und „genau“ am Satzende.
  4. Übe einmal mit jemandem, der nachfragt, etwa „Warum gerade Logistik?“. In der Speaking-Coach-App gibt es genau diese Szene, auch auf Deutsch; der KI-Interviewer liest auf Wunsch deinen Lebenslauf und die Stellenanzeige mit.

Häufige Fragen

Wie lang sollte die Selbstpräsentation sein?

60 bis 90 Sekunden. Wenn ausdrücklich „ein paar Minuten“ gewünscht sind, etwa im Assessment-Center, darfst du auf drei Minuten gehen und mehr Stationen erklären.

Soll ich duzen oder siezen?

Übernimm, was das Unternehmen vorgibt. In Start-ups und manchen Agenturen wird geduzt, im Mittelstand, im öffentlichen Dienst und in Banken fast immer gesiezt. Der Aufbau bleibt gleich.

Darf ich Hobbys erwähnen?

Ja, wenn sie etwas über dich als Kollegin oder Kollege sagen und kurz bleiben. Ehrenamt als Übungsleiter im Sportverein zeigt Verantwortung; „Reisen und Kochen“ sagt wenig.

Was ist der Unterschied zu „Führen Sie uns durch Ihren Lebenslauf“?

Die Selbstpräsentation ist kurz und beginnt bei heute. Beim Gang durch den Lebenslauf gehst du chronologisch vor und erklärst jeden Wechsel.

Was mache ich, wenn ich gerade keinen Job habe?

Beginn mit deiner letzten Rolle und dem, was du dort erreicht hast, und sag in einem Satz, was du seitdem machst. Dann direkt zur Zukunft: warum diese Stelle.