Netzwerken auf Veranstaltungen, wenn du Netzwerken hasst

Geh mit einem kleinen Ziel hin, etwa drei echte Gespräche, und komm früh, solange die Gruppen noch klein sind. Sprich Leute an, die allein stehen, frag nach dem, was sie hergeführt hat, und stell dich in 15 Sekunden vor, ohne Visitenkarten-Monolog. Melde dich innerhalb von zwei Tagen mit einer Nachricht, die an euer Gespräch anknüpft.

Warum Netzwerken sich so falsch anfühlt

Viele hassen Netzwerken, weil es nach Verkaufen klingt: fremde Leute ansprechen, sich selbst anpreisen, Visitenkarten sammeln. So muss es nicht laufen. Ein gutes Gespräch auf einem Branchentreff ist ein ganz normales Gespräch mit jemandem, der zufällig in deinem Feld arbeitet. Du musst niemanden überzeugen. Es reicht, neugierig zu sein und ein, zwei Leute zu finden, mit denen du dich gern wieder unterhältst.

Vorher: drei Dinge vorbereiten

  1. Ein kleines Ziel. Drei Gespräche, von denen eins länger als fünf Minuten dauert. Wenn du das geschafft hast, darfst du gehen.
  2. Deine Vorstellung in 15 Sekunden. Name, was du machst, und warum du hier bist. Mehr dazu unten.
  3. Zwei Fragen, die du allen stellen kannst. „Was hat dich heute hergeführt?“ und „Woran arbeitest du gerade?“

Wenn es eine Teilnehmerliste oder eine Veranstaltungs-App gibt, schau vorher rein. Eine Person, die du gezielt suchen kannst, gibt dir einen Grund, durch den Raum zu gehen.

Früh kommen, wenn es geht

Was viele nicht erwarten: Für Leute, die Netzwerken unangenehm finden, ist die erste halbe Stunde die leichteste. Es sind wenige da, viele stehen allein, und jeder ist froh, angesprochen zu werden. Eine Stunde später haben sich feste Grüppchen gebildet, und es ist lauter.

Die Vorstellung in 15 Sekunden

Auf einem Netzwerkabend fragt man dich in der Regel „Und was machst du?“. Die schlechteste Antwort ist eine Berufsbezeichnung ohne Kontext. Die zweitschlechteste ist ein zweiminütiger Lebenslauf. Dazwischen liegt eine kurze Antwort mit Anknüpfungspunkt:

Beispiel, Angestellte: „Ich bin Katrin, ich mache Personalentwicklung bei einem Maschinenbauer in der Nähe von Stuttgart. Ich bin heute hier, weil wir gerade überlegen, wie wir Azubis besser halten.“

Beispiel, Selbstständiger: „Ich bin Daniel, ich baue Websites für Handwerksbetriebe. Mich interessiert heute vor allem, was andere Betriebe mit KI ausprobieren.“

Beispiel, auf Jobsuche: „Ich bin Aylin, ich hab gerade meinen Master in Logistik in Bremen abgeschlossen und schau mich um, wo ich einsteigen will. Was machst du hier?“

Der letzte Satz jeder Vorstellung gibt dem anderen etwas zum Nachfragen. Wenn du mehr Zeit hast, etwa in einer Vorstellungsrunde, hilft die Seite Erzählen Sie etwas über sich, die eine längere Fassung aufbaut.

Ansprechen, ohne aufdringlich zu sein

SituationEinstieg
Jemand steht allein am Stehtisch„Darf ich mich dazustellen? Ich kenne hier noch fast niemanden.“
Am Buffet„Hast du die Maultaschen schon probiert? Die sehen besser aus als bei der letzten Messe.“
Nach einem Vortrag„Was hast du aus dem Vortrag mitgenommen? Ich fand den Teil über Fachkräfte spannend.“
Am Messestand„Ich sehe, ihr macht Lagersoftware. Für welche Betriebsgrößen ist das gedacht?“
In der Schlange zur Garderobe„Bist du öfter auf diesem Stammtisch?“
Eine Gruppe von drei LeutenKurz am Rand zuhören, dann: „Darf ich mich anschließen? Ihr klingt nach dem spannendsten Thema hier.“

Ob du duzt oder siezt, hängt von der Szene ab. Auf Tech-Meetups und in Start-up-Kreisen duzen sich alle, auf IHK-Veranstaltungen und unter Juristen beginnt man oft mit „Sie“. Im Zweifel siezen und das Du annehmen, wenn es angeboten wird.

Ein Gespräch, das nicht nach Verkaufen klingt

Das beste Netzwerkgespräch dreht sich um den anderen. Frag nach, was ihn gerade beschäftigt, und hör auf Stellen, an denen du helfen kannst: einen Kontakt, einen Artikel, ein Tool. „Da kenn ich jemanden, der genau das gemacht hat. Soll ich euch verbinden?“ Wer etwas anbietet, wird in Erinnerung behalten. Eigene Anliegen bringst du erst an, wenn ihr schon ein paar Minuten redet, und dann kurz.

Weitergehen, ohne zu flüchten

Auf Veranstaltungen ist es völlig normal, nach fünf bis zehn Minuten weiterzuziehen. Niemand erwartet, dass du den Abend mit einer Person verbringst.

„Ich will heute noch ein paar Leute kennenlernen, aber ich fand das wirklich hilfreich. Darf ich dich auf LinkedIn hinzufügen?“

Mehr Sätze für den Ausstieg findest du unter Gespräch beenden.

Danach: die Nachricht innerhalb von zwei Tagen

Die meisten Kontakte versanden, weil sich danach niemand meldet. Schreib innerhalb von 48 Stunden eine kurze Nachricht, per LinkedIn, XING oder Mail, mit einem Bezug auf euer Gespräch:

Beispiel: „Hallo Frau Wagner, danke für das Gespräch gestern beim Netzwerkabend in Ludwigsburg. Hier ist der Artikel über Azubi-Bindung, von dem ich erzählt hatte. Ich würde mich freuen, wenn wir uns im Frühjahr mal austauschen. Viele Grüße, Daniel Krämer“

Keine Werbung, kein Lebenslauf im Anhang. Nur ein konkreter Bezug und ein kleiner Mehrwert.

Fehler, die Netzwerk-Hasser oft machen

FehlerWas passiertStattdessen
Den ganzen Abend mit dem einen Kollegen stehenDu lernst niemanden kennenGemeinsam eine dritte Person ansprechen, dann trennen
Am Handy so tun, als wärst du beschäftigtNiemand spricht dich anHandy weg, Glas in die Hand
Visitenkarten verteilen ohne GesprächNiemand erinnert sich an dichErst reden, dann Kontakt austauschen
Zu lange bleiben, obwohl du erschöpft bistDie letzten Gespräche werden zähNach deinem Ziel gehen
Nie nachfassenDer Abend war umsonstEine Nachricht in 48 Stunden

Laut üben, wenn dir allein der Gedanke unangenehm ist

Die 15-Sekunden-Vorstellung und der erste Satz am Stehtisch fühlen sich leichter an, wenn du sie vorher laut gesagt hast. In der Speaking-Coach-App gibt es eine Übung dafür, auf einer Veranstaltung Leute anzusprechen: Ein KI-Gesprächspartner spielt auf Deutsch einen anderen Gast, fragt nach dem, was du sagst, und zeigt dir danach, wie schnell du gesprochen hast und wo du ins Stocken geraten bist.

Häufige Fragen

Wie netzwerke ich, wenn ich introvertiert bin?

Setz dir ein kleines Ziel, komm früh und sprich Leute an, die allein stehen. Lieber zwei echte Gespräche als zehn flüchtige.

Wie stelle ich mich auf einem Netzwerkevent vor?

In etwa 15 Sekunden: Name, was du machst, warum du hier bist. Endet die Vorstellung mit einem Anknüpfungspunkt, kann das Gegenüber nachfragen.

Wie komme ich in eine Gruppe, die schon redet?

Stell dich an den Rand einer offenen Gruppe von drei, vier Leuten, hör kurz zu und frag dann, ob du dich anschließen darfst.

Wie lange sollte ich mit einer Person reden?

Auf Veranstaltungen sind fünf bis zehn Minuten üblich. Wenn es richtig gut läuft, verabredet ihr euch für später.

Was schreibe ich nach einem Netzwerkevent?

Eine kurze Nachricht innerhalb von zwei Tagen, die an euer Gespräch anknüpft und etwas Kleines mitbringt, etwa einen Link oder einen Kontakt.