Rede zum eigenen Ruhestand: Was du sagst, mit Beispielen
Deine eigene Rede zum Ruhestand dauert 3 bis 5 Minuten. Bedank dich zuerst bei denen, die vor dir gesprochen haben, erzähl eine Szene aus deinen Anfängen, sag, was sich seitdem verändert hat und was gleich geblieben ist, dank ein paar Menschen konkret statt allen pauschal, und schließ mit einem Ausblick und der Einladung zum Buffet. Abrechnungen mit der Firma gehören nicht hinein.
Wie die Verabschiedung meist abläuft
Bei einer Verabschiedung in den Ruhestand sprichst du selten zuerst. Oft redet die Chefin oder der Abteilungsleiter, manchmal jemand vom Betriebsrat oder eine langjährige Kollegin, bei Lehrkräften die Schulleitung. Danach bist du dran. Deine Rede ist also eine Antwort: Du nimmst auf, was gesagt wurde, und setzt deinen eigenen Schlusspunkt.
Häufig gibst du den Ausstand selbst, mit Sekt, belegten Brötchen oder einem Buffet. Dann eröffnest du am Ende deiner Rede auch das Essen. Das ist praktisch, denn es gibt dir einen natürlichen letzten Satz.
Der Aufbau mit Zeiten
| Teil | Was rein gehört | Dauer |
|---|---|---|
| 1. Dank an die Vorredner | Ein Satz, der auf etwas Konkretes eingeht, das gesagt wurde | 20–30 Sekunden |
| 2. Der Anfang | Eine Szene aus deinem ersten Tag oder ersten Jahr | 45–60 Sekunden |
| 3. Was sich verändert hat | Ein, zwei Beispiele, eins davon gern mit Humor | 45–60 Sekunden |
| 4. Konkreter Dank | Drei bis fünf Menschen oder Gruppen, jeweils mit einem Grund | 60–90 Sekunden |
| 5. Ausblick und Buffet | Was du jetzt vorhast, ein guter Wunsch, Einladung | 20–30 Sekunden |
Das ergibt drei bis fünf Minuten, bei etwa 130 Wörtern pro Minute also 400 bis 650 Wörter. Mit dem Redezeit-Rechner kannst du deinen Text umrechnen.
Beispielsätze für jeden Teil
Die folgenden Sätze sind ausgedachte Beispiele. Ersetze Jahre, Orte und Namen durch deine eigenen.
Dank an die Vorredner
„Danke, Herr Krämer, für die freundlichen Worte. Dass Sie sich an die Sache mit dem Faxgerät erinnern, hatte ich ehrlich gesagt gehofft, dass Sie das nicht tun.“
Ein kleiner Rückgriff auf die Vorrede zeigt, dass du zugehört hast, und nimmt dir die Anspannung der ersten Sekunden.
Der Anfang
„Am 1. September 1987 stand ich zum ersten Mal hier im Werk in Wolfsburg, mit einem Blaumann, der zwei Nummern zu groß war. Mein Meister hat mich angeschaut und gesagt: ‚Da wächst du noch rein.' Er hatte recht, es hat nur 37 Jahre gedauert.“
Was sich verändert hat
„Als ich bei den Stadtwerken angefangen habe, hatten wir in der Abrechnung genau einen Computer, und den durfte nur Frau Albers anfassen. Heute mache ich Videokonferenzen. Meistens sogar mit Ton.“
Konkreter Dank
Statt „Danke an alle“ sagst du drei, vier Menschen, wofür genau.
„Danke an Petra, die mir 2009 gezeigt hat, wie man mit einer Tabelle mehr macht als Zahlen eintippen. Danke an mein Team in der Disposition, das in jedem Winter dafür gesorgt hat, dass die Busse fahren. Und danke an Ahmet aus der Werkstatt, der mir 20 Jahre lang morgens um halb sieben den ersten Kaffee hingestellt hat.“
Ausblick und Buffet
„Was ich jetzt mache? Erst mal den Garten, den meine Frau seit Jahren für mich plant. Und im Frühjahr die Zugspitze, endlich mal unter der Woche. Ich wünsche euch, dass ihr hier weiter so gut zusammenhaltet. Und jetzt: Das Buffet ist eröffnet.“
Beispiel für eine Lehrerin
Ausgedacht, aber typisch für eine Verabschiedung im Lehrerzimmer oder in der Aula:
„Ich habe in 35 Jahren ungefähr 3.000 Klassenarbeiten korrigiert und, das kann ich heute verraten, bei mindestens 200 davon die Schrift nicht lesen können. Was ich behalte, sind aber nicht die Noten. Es sind die Momente, in denen jemand in der zehnten Klasse plötzlich verstanden hat, warum ein Gedicht von Eichendorff auch von ihm handelt. Liebes Kollegium: Danke, dass ihr mich so lange ertragen habt. Ich komme gern als Gast zum Sommerfest.“
Was du vermeidest
| Fehler | Warum es nicht funktioniert | Stattdessen |
|---|---|---|
| Abrechnung mit der Firma | Bleibt das, woran sich alle erinnern | Höchstens ein augenzwinkernder Satz |
| Liste mit 30 Namen | Ermüdet und kränkt die Vergessenen | Drei bis fünf Namen, dazu „und alle aus …“ |
| Dein ganzer Werdegang | Haben die Vorredner schon erzählt | Eine Szene vom Anfang |
| „Früher war alles besser“ | Kränkt die, die bleiben | Erzähl, was früher anders war, ohne Urteil |
| Insider aus den 90ern | Die Jüngeren verstehen nichts | Erklär sie in einem Satz oder lass sie weg |
Wenn es dich rührt
Viele unterschätzen, wie emotional die eigene Verabschiedung wird. Plan deshalb eine Pause vor dem Dankesteil ein, halte ein Glas Wasser griffbereit und schreib die Namen, die du nennen willst, groß auf eine Karte. Lies die Rede vorher mindestens dreimal laut, einmal vor deinem Partner oder deiner Partnerin. Wenn du hören willst, wie du klingst, sprich einen Durchlauf in den kostenlosen Rede-Check: Er zeigt dir Tempo, Füllwörter und lange Pausen.
Häufige Fragen
Muss ich bei meiner Verabschiedung selbst eine Rede halten?
Erwartet wird es meist, Pflicht ist es nicht. Selbst zwei Minuten mit Dank und Ausblick reichen, und viele Kolleginnen und Kollegen freuen sich darüber.
Wie lang sollte die eigene Rede zum Ruhestand sein?
Drei bis fünf Minuten. Wenn schon mehrere Reden über dich gehalten wurden, eher drei.
Darf ich in der Rede Kritik äußern?
Ein liebevoller Seitenhieb auf alte Abläufe ist in Ordnung. Ernsthafte Kritik gehört in ein Gespräch unter vier Augen, nicht in die Abschiedsfeier.
Wie beende ich meine Ruhestandsrede?
Mit einem Wunsch an die, die bleiben, und einer Einladung: zum Buffet, zum Anstoßen oder zu einem Wiedersehen. So weiß jeder, dass die Rede vorbei ist.
Soll ich meine Nachfolgerin erwähnen?
Ja, ein freundlicher Satz an sie oder ihn ist eine schöne Geste und erleichtert den Übergang.